Beiträge mit tag "Politiker

Es gibt immer eine Alternative

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Nachdem ich in letzter Zeit häufig Politiker zitiert habe, die etwas sinnvolles getan oder geleistet haben, macht dieser Trend mit einem Zitat der eisernen Lady Margaret Thatcher eine Kehrtwende. Die britische Premierministerin hat häufig die Floskel „There is no alternative.” verwendet. Ein Zitat, das bei mir keine positiven Gefühle auslöst.

Dieser Satz ist ein bequemer Weg, um eine Entscheidung zu begründen. So unwahr dieser Satz in der Politik ist, genauso unwahr ist es, wenn es um Software-Entwicklung oder das Management von Entwicklungs-Teams geht. Wenn jemand Ihnen glauben machen will, dass Sie unbedingt eine Rules Engine/Scala/PHP/einen Application Server einsetzen müssen, um ein Problem zu lösen und das damit begründet, dass das der einzige Weg ist, das Problem zu lösen, dann schauen Sie besser genauer hin.

Statt des einzigen Wegs ist es meistens eher der einzige Weg, den die entsprechende Person kennt, oder der, bei dem er nichts neues lernen muss oder sogar der, der einem Consultant das meiste Geld bringt.

Die Gründe für die scheinbare Alternativlosigkeit werden Ihnen natürlich nicht mitgeteilt. Mit dem Satz „Es gibt keine Alternative.” wird nur versucht, eine Diskussion über mögliche Wege von Anfang an zu unterbinden.

Der französische Soziologe Pierre Bourdieu hat für dieses Muster den Begriff „TINA-Prinzip” geprägt, in Anlehnung an die Anfangsbuchstaben von „There Is No Alternative.” Passend dazu hat die Politikwissenschaftlerin und ehemalige Greenpeace-Vorstandsmitglied Susan George dem TINA-Prinzip den Aufruf „TATA!” entgegengestellt:

There Are Thousands of Alternatives!

Ob Sie dem TINA- oder dem TATA-Prinzip folgen, liegt bei Ihnen, Sie haben die Alternative.

Dringlich vs Wichtig

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Wenn Sie ein Team oder eine Abteilung von Software-Entwicklern leiten, dann landen jeden Tag eine unglaubliche Menge an Todos auf Ihrem Tisch. Das Tagesgeschäft wird erdrückend und Sie sind nicht mehr in der Lage, die strategische Planung zu machen, die eigentlich eine Ihrer Hauptaufgaben sein sollte. Sie müssen also das Tagesgeschäft reduzieren, aber wie entscheiden Sie, welche Aufgaben Sie selbst erledigen und welche Sie delegieren?
Machen Sie doch dazu das, was vor Ihnen schon Dwight D. Eisenhower (Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika von 1953 bis 1961) gemacht hat und wenden Sie das Eisenhower-Prinzip an.

Bei diesem Prinzip prüfen Sie für jede Aufgabe, die es zu erledigen gilt, wie wichtig und wie dringlich diese ist. Doch bedeutet dringlich und wichtig nicht das selbe? Sehen Sie sich dazu die folgenden Definitionen der Begriffe an.

Dringlichkeit: die Notwendigkeit, eine wichtige Handlung kurzfristig zu erledigen, also die (zeitliche) Priorität.

Wichtigkeit: die schwerwiegende (wichtige) Bedeutung eines Gegenstandes.

Die Dringlichkeit einer Aufgabe bezieht sich also auf die Zeit, die zur Verfügung steht, um die Aufgabe zu erledigen, während sich die Wichtigkeit der Aufgabe immer auf den Inhalt der Aufgabe bezieht. Wenn Sie auf die Toilette müssen, so ist das meistens eine dringliche Angelegenheit, es kann hier schnell zu spät sein und dann noch auf die Toilette zu gehen, bringt Ihnen keinen Nutzen mehr. Einen guten Schulabschluss zu schaffen ist eine wichtige Aufgabe, die auch noch Nutzen bringt, wenn Sie sie ein oder zwei Jahre später abschließen, als dies geplant war.

Das Eisenhower-Prinzip

Wenn Sie nun Ihre Aufgaben nach deren Dringlichkeit und Wichtigkeit bewertet haben, dann nehmen Sie sich das folgende Koordinatensystem vor und platzieren Ihre Aufgaben auf den Achsen wichtig und dringlich.

Jede Ihrer Aufgaben sollte nun einem der Bereiche A-D zugerdnet worden sein. Manche Aufgaben sind wichtig aber nicht dringlich, manche sind dringlich jedoch nicht wichtig, manche sind beides und so einige sind wahrscheinlich weder wichtig noch dringlich. Mit dieser Einteilung ist die Entscheidung leicht, wie mit den einzelnen Aufgaben verfahren werden soll.

A-Aufgaben: Diese Aufgaben sind wichtig und sie müssen schnell erledigt werden. Das bedeutet, Sie erledigen die Aufgaben sofort und selbst. Die Delegation und die Kontrolle der Aufgabe würden zu viel Zeit beanspruchen.

B-Aufgaben: Diese Aufgaben sind wichtig, jedoch nicht dringlich. Definieren Sie schon jetzt, wann Sie diese Aufgaben erledigen werden und tragen Sie sich einen Blocker in Ihren Kalender ein. Stellen Sie auch sicher, dass Sie die Aufgaben zum geplanten Termin erledigen.

C-Aufgaben: Diese Aufgaben müssen schnell erledigt werden, es sind aber keine wichtigen Aufgaben. Delegieren Sie sie! Das sind genau die Aufgaben, die Sie von den wichtigen B-Aufgaben abhalten, wodurch diese plötzlich neben wichtig auch noch dringlich sind. Also sorgen Sie dafür, dass die C-Aufgaben von jemand anderem erledigt werden.

D-Aufgaben: Diese Aufgaben sind weder wichtig, noch dringlich. Das bedeutet also, sie bringen keinen Nutzen. Diese Aufgaben werden also weder sofort noch später erledigt, sondern gehören einfach nur in den Papierkorb.

Wenn Sie Ihre Aufgaben regelmäßig mit dem Eisenhower-Prinzip priorisieren, dann können Sie sicher sein, dass Sie Ihre Zeit und die Zeit Ihrer Mitarbeiter sinnvoll einsetzen. Besonders hervorheben möchte ich hierbei das regelmäßige Priorisieren: Wichtige Aufgaben, die letzte Woche nicht dringlich waren, werden es wahrscheinlich werden, wenn Sie nicht bearbeitet werden.

Kleine Schritte sind besser als keine Schritte

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Eigentlich hatte unter diesem Titel geplant, einen Eintrag über die Pfadfinder-Regel zu schreiben, die Robert C. „Uncle Bob” Martin in seinem Buch Clean Code vorstellt:

Leave the campground cleaner than you found it.

Genau an dem Tag, als ich den Eintrag schreiben wollte, kamen mir jedoch Nils und Holger zuvor. Mein erster Impuls war, meinen Eintrag einfach zu löschen und das Thema zu den Akten zu legen. Doch Schritt für Schritt (wer findet hier den Wortwitz?) bin ich wieder zu der Idee zurück gekehrt.

Die Überschrift „Kleine Schritte sind besser als keine Schritte” war das Motto von Willy Brandt (dt. Bundeskanzler von 1969 bis 1974), der damit seine Ostpolitik der langsamen Annäherung beschrieben hat.

Willy Brandt hat bei diesem Zitat sicher nicht an Uncle Bob, Coding Standards und kleine Refactorings gedacht. Sehr viele Entwickler, die sich die Pfadfinder Regel auf die Fahne schreiben, beschränken diese jedoch zu stark auf den Quellcode und wenden diese nicht ganzheitlich auf die eigene Arbeit und das Umfeld an. Richtig aufgefallen ist mir das auch erst in den letzten Wochen, in denen ich ausführlich mit Holger über Clean Code und die Einührung der Prinzipien in unseren Teams gesprochen habe.

Wenn Willy Brandt diese Regel auf eine Ostpolitik angewandt hat und damit eine Annäherung an Polen und die damalige Sowjetunion damit geschafft hat, dann sollten wir diese Regel auch in unserem täglichen Arbeitsumfeld anwenden können.

Ein gutes Beispiel ist, dass ich auf Konferenzen, auf denen ich über Clean Code, Testgetriebene Entwicklung und eine Menge andere „gute Dinge” geredet habe, am Ende immer gefragt werde, wie man diese in Teams einführt. Für die Teilnehmer sieht das immer nach einem großen Schritt aus, ein Team, das kein Verständnis für eine geminesame Code-Basis, Qualität und Entwicklungsmethodik hat, in ein Team zu transformieren, das bei der Entwicklung und der Pflege des Codes harmonisiert. Meine Antwort ist auch hier immer die selbe: Man muss es in kleinen Schritten angehen. Sie werden es nicht schaffen, das Bewußtsein für neue Entwicklungsmethodiken bei allen Teammitgliedern sofort zu wecken, also wecken Sie es bei einem und schauen Sie, wie es sich danach entwickelt.

Ähnlich verhält es sich bei der klassischen Beförderung vom Entwickler zum Leiter eines Entwicklungsteam. Sie können planen, wie Sie als perfekter Teamleiter sein könnten und diesen Plan dann in einem Jahr umsetzen. Oder Sie fangen morgen an und erledigen eine Teilaufgabe Ihres neuen Jobs mit Bravour und gehen dann die nächste an.

Sei es also ein neues Projekt oder ein neuer Job, der eine große Veränderung bedeutet, so ist der erfolgsversprechende Weg der, der mit vielen kleinen Schritten auf ein Ziel führt, das sich vielleicht sogar während des Wegs verändert.

Und wäre das nicht zu dramatisch für das Ende eines Blog-Artikels, würde ich jetzt schreiben:

Danke Willy Brandt. Danke Uncle Bob. Danke Holger.

Consultants

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Helmut Schmidt schreibt in seinem Buch „Ausser Dienst: Eine Bilanz”:

„Während ich im persönlichen Gespräch mit Personen, deren Kompetenz und Urteilskraft ich vertraute, zeit meines Lebens viel lernen konnte, habe ich von institutioneller Beratung nie viel gehalten. Gremien, Kommissionen und sonstige Beratungsinsitutionen, die lediglich Gutachten erstellen und Empfehlungen aussprechen, aber nicht handeln müssen, haben nur selten wirksamen politischen Einfluss.”

Man könnte meinen, Helmut Schmidt arbeitet auch in der IT-Branche.

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